Pressemeldung 002-2024

bad e. V. befürwortet Bundesratsentschließung zur Leiharbeit und fordert schnelles Handeln

Essen, 06.02.2024 In seiner letzten Sitzung hat der Bundesrat die Bundesregierung initiativ aufgefordert, Maßnahmen zur Eindämmung der Leiharbeit in der Pflege umzusetzen. In dem von der bayerischen Landesregierung initiierten Entschließungsantrag heißt es, der Bund solle „alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um einem drohenden Ungleichgewicht zwischen Leiharbeitsunternehmen und Leistungserbringern entgegenzuwirken“.

Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e. V.) begrüßt das gemeinsame Vorgehen der Länder voll und ganz. „Wir freuen uns, dass die Bundesländer den Ernst der Lage erkannt haben und ihrerseits nun Druck ausüben auf die Bundesregierung, endlich in puncto Leiharbeit zu handeln“, kommentiert Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e. V., den Entschluss des Bundesrats.

Die Leiharbeit, fährt Kapp fort, gehöre zu den drängendsten Problemen in der Pflegebranche, denn „der Einsatz von Zeitarbeitskräften im pflegerischen Alltag führt zu immensen Kosten. Durch den Fachkräftemangel seien die Leistungserbringer aber notgedrungen auf die Nutzung von Leiharbeit angewiesen. „Für Pflegefachkräfte ist Leiharbeit oftmals sehr attraktiv – nicht nur wegen des Verdienstes“, weiß Thomas Barz, bad-Landesvorstand Rheinland-Pfalz und Geschäftsführer der Senium Seniorenhilfe GmbH, aus eigener Erfahrung zu berichten. „Ein bei mir beschäftigter Zeitarbeitsangestellter hat mir erzählt, dass seine Leiharbeitsagentur nicht nur verpflichtet sei, Arbeit für ihn zu finden, sondern ihm auch bei Nichtbeschäftigung den Pflegemindestlohn zu zahlen habe.“ Barz hatte sich daraufhin im September 2023 mit einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Lauterbach und Bundesarbeitsminister Heil gewandt, um auf dieses Missverhältnis hinzuweisen. Eine Antwort erhielt er nicht.

Für die bad-Bundesgeschäftsführerin ist deshalb die vom Bundesrat empfohlene Gleichbehandlung von Zeitarbeitskräften und Stammpersonal – verbunden mit der Einrichtung von Gehaltsobergrenzen für Zeitarbeitsfirmen und deren finanzieller Beteiligung an der Pflegeausbildung – ein wichtiger Schritt zur Verhinderung des Abflusses von Fachkräften in die Leiharbeit. „Unser Ruf nach dem Ergreifen von wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Leiharbeit wurde zumindest von den Ländern erhört. Dort besteht die Einsicht, dass das Arbeiten in der Pflege wieder attraktiver werden muss, um an die Leiharbeit verlorenes Personal wieder zurückgewinnen zu können.“

Insgesamt müssen aber auch die Arbeitsbedingungen in der Pflege weiter verbessert werden. Als sinnvollen Vorschlag befindet Kapp den Vorschlag, verstärkt Springerpools aufzustellen, und zwar im stationären sowie im ambulanten Sektor. „Die Einrichtung und der Ausbau von Springerkonzepten ist ein ganz wesentlicher Faktor, um die Position der Leiharbeitsfirmen zu schwächen. Gerade für kleine Pflegeunternehmen könnten Springerpools eine gute Alternative zum Einsatz von Leiharbeitern darstellen. Die Anforderungen an trägerübergreifende Springerpools zu verringern, um so Gestaltungsmöglichkeiten außerhalb der klassischen Arbeitnehmerüberlassung zu schaffen, erhält unsere volle Unterstützung.“

Der bad e. V. fordert als Reaktion auf den Entschließungsantrag des Bundesrats ein schleuniges Handeln der Bundesregierung. „Wenn wir die Versorgungsqualität der Pflege erhalten wollen, müssen die von den Ländern geforderten Maßnahmen unverzüglich konkretisiert, in Gesetzesform gebracht und umgesetzt werden. Ein weiteres Aufschieben des Themas ist nicht mehr hinnehmbar“, mahnt Kapp.

Kontakt
Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V.
Andrea Kapp, RA‘in
Bundesgeschäftsführerin, Qualitätsbeauftragte (TÜV)
Zweigertstr. 50
45130 Essen
Tel: 0201/354001

a.kapp@bad-ev.de

Über den bad e. V.
Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V. mit seinem Hauptsitz in Essen wurde 1988 gegründet. Er vertritt die Interessen von bundesweit über 1.500 zumeist privat geführten Pflegediensten und -einrichtungen und stellt damit einen der großen Leistungserbringerverbände in der Wachstumsbranche Pflege und Betreuung dar.

Weitere Pressemeldungen, die Sie interessieren könnten

Pressemeldung 006-2026 – 25.02.2026

Pflegeeinrichtungen unter wirtschaftlichem Druck: Marktzahlen bestätigen Warnungen des bad e.V.

Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. warnt angesichts aktueller Marktdaten vor einem weiteren Verlust pflegerischer Versorgungsstrukturen. Nach Zahlen von Pflegemarkt.com wurden im Januar 2026 bundesweit 70 ambulante Pflegedienste …

Pressemeldung 005-2026 – 10.02.2026

bad e.V.: Streichung des Altenpflegeabschlusses gefährdet Versorgungsqualität

Der eigenständige Abschluss Altenpflegerin/Altenpfleger steht faktisch vor dem Aus. Seit dem Start der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 entscheiden sich immer weniger Auszubildende für den spezialisierten Abschluss in der Altenpflege. Die Bundesregierung will deshalb …

Pressemeldung 004-2026 – 10.02.2026

Berlin: Bezirksamt muss für „Hilfe zur Pflege“ 29.260,14 Euro zahlen – Gericht bestätigt im Eilrechtsschutz Verpflichtung zum unverzüglichen Ausgleich von Zahlungsrückständen

Das Sozialgericht Berlin hat das Bezirksamt Tempelhof‑Schöneberg im Rahmen des einstweiligen Rechtschutzes verpflichtet, ausstehende Pflegekosten in Höhe von 29.260,14 Euro …

Pressemeldung 003-2026 – 27.01.2026

bad e. V.: Änderung des Teilzeitanspruchs löst Personalprobleme in der Pflege nicht – mehr Arbeit muss steuerlich attraktiv werden

Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V. warnt davor, in der aktuellen Debatte über eine mögliche Einschränkung oder Abschaffung des Rechtsanspruchs …

Nach oben