Versorgungsangebot nimmt ab – bei steigender Nachfrage!
Weitere Schließungen und Insolvenzen von Pflegeeinrichtungen
Essen, 27.02.2024 Die Meldungen über Schließungen und Insolvenzen von Pflegeeinrichtungen reißen nicht ab. Pflegemarkt.com meldet, dass im Januar 2024 mehr Pflegeplätze in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen verloren gegangen sind, als durch Neugründungen dazukamen. Konkret schlossen 10 Pflegeheime, so dass rund 500 Pflegeplätze verloren gingen. Bei 6 Neugründungen mit insgesamt rund 400 Pflegeplätzen stellte dies ein Minus von rund 100 Pflegeplätzen dar.
Noch dramatischer gestaltete sich das Geschehen laut Pflegemarkt.com im ambulanten Sektor: 46 Pflegedienste mussten schließen, wovon insgesamt 2.019 versorgte Pflegebedürftige betroffen waren. Auch wenn die Versorgungszahlen neugegründeter Pflegedienste nicht konkret beziffert werden konnten, so ist es angesichts von nur 29 Neugründungen im Januar 2024 offensichtlich, dass die verloren gegangenen Versorgungen bei weitem nicht kompensiert werden konnten.
„Ungeachtet der Tatsache, dass eine Neugründung am anderen Ende der Republik dem Pflegekunden einer schließenden Pflegeeinrichtung nicht weiterhilft, sind die vorliegenden Zahlen für sich genommen bereits ein Desaster“, kommentierte Andreas Kern, selbst Pflegeeinrichtungsbetreiber und 1. Vorsitzender des bad e.V. „Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir stetig deutlich mehr pflegerische Versorgungsangebote. Insofern ist es mehr als nur das unternehmerische Unglück der Einrichtungsträger, wenn die Entwicklung in die andere Richtung verläuft. Was aber noch schlimmer ist: Obwohl diese Entwicklung absehbar war, hat die Politik nicht genug dafür getan, um ihr entgegenzuwirken und sie zu verhindern. Trotz immer weiter steigender Nachfrage nach den Dienstleistungen von Pflegeeinrichtungen leiden diese zunehmend unter schwierigen wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen.“
Der bad e.V. hatte früh vor dieser Entwicklung und der damit einhergehenden Gefährdung der pflegerischen Versorgung gewarnt. Letztmalig war dies nach einer Umfrage in seiner Mitgliedschaft im August 2023 der Fall. Diese hatte ergeben: „Die Pflege ist in Not!“ 76 % der teilnehmenden Einrichtungen hatten dabei angegeben, für ihre Zukunft schwarz zu sehen, 66 % der Pflegeeinrichtungen gaben an, Verluste zu machen und 48 % der Pflegeheime fehlte Personal.
„Diejenigen, die unsere Warnungen seinerzeit ignoriert haben, taten dies damals oft unter dem Hinweis auf die Zahl der Neugründungen. Nun zeigt sich, dass dies eine sachlich nicht gerechtfertigte Bagatellisierung der Lage und ein Versuch war, eine Situation schönzureden, die die pflegerische Versorgungslandschaft in Deutschland fortlaufend und nachhaltig erschüttern wird, wenn nicht endlich effektiv gegengesteuert wird“, mahnt Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V.
Der bad e.V. hatte schon in einem Positionspapier im Jahr 2021 konkrete Empfehlungen abgegeben, wie die Pflege in Deutschland menschenwürdig und zukunftssicher gestaltet werden kann. „Die meisten dieser Vorschläge sind aktueller denn je. Wenn insbesondere die Rahmenbedingungen für die Wirtschaftlichkeit von Pflegeeinrichtungen nicht kurzfristig verbessert werden, drohen sich Einrichtungssterben und pflegerische Versorgungsengpässe bundesweit auszuweiten“, gibt Kern zu bedenken.
Kontakt
Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e. V.
Andrea Kapp, RA‘in
Bundesgeschäftsführerin, Qualitätsbeauftragte (TÜV)
Zweigertstr. 50
45130 Essen
Tel: 0201/354001
Über den bad e.V.
Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. mit seinem Hauptsitz in Essen wurde 1988 gegründet. Er vertritt die Interessen von bundesweit über 1.500 zumeist privat geführten Pflegediensten und -einrichtungen und stellt damit einen der großen Leistungserbringerverbände in der Wachstumsbranche Pflege und Betreuung dar.
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