Pressemeldung 032-2026 – 28.08.2026

Pflegeeinrichtungen schlagen Alarm – PNOG-Pläne verschärfen die wirtschaftliche Unsicherheit

Die wirtschaftliche Stimmung in den Pflegeeinrichtungen verschlechtert sich dramatisch. Wie die jüngsten Zahlen einer Erhebung der Baden-Württembergischen Krankenhaus-Gesellschaft (BWKG-Indikator) zeigen, rechnen 39,5 Prozent der Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Nur 4,7 Prozent erwarten eine Verbesserung – so wenige wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010. Gleichzeitig erwarten 26,9 Prozent der Geschäftsführungen für das Jahr 2026 ein negatives Betriebsergebnis.

Für den Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e.V.) sind diese Zahlen ein unübersehbares Warnsignal. „Die Stimmung in der Pflege ist auf einem historischen Tiefpunkt. Und die Politik setzt genau jetzt mit den Einsparplänen des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) ein weiteres fatales Signal“, erklärt Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V.

Pflegeeinrichtungen sind auf wirtschaftliche Sicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen zwingend angewiesen. Bereits heute ist die Branche schwer belastet durch unzureichende Refinanzierungen von Personal- und Betriebskosten sowie einem sich verschärfenden Fachkräftemangel. In dieser Gemengelage sorgen die geplanten Regelungen des PNOG für zusätzliche Unsicherheit.

Gehaltssteigerungen müssen voll refinanziert werden
Besonders kritisch sieht der bad e.V. die drohenden Einschränkungen der Refinanzierung von tatsächlichen Gehaltssteigerungen. „Erste Abstriche bei der vollständigen Refinanzierung von Gehaltssteigerungen sind für den Bereich der häuslichen Krankenpflege bereits mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen worden. Mit dem PNOG droht nun eine Ausweitung der Sparvorgaben auf den gesamten Pflegebereich. Für die Einrichtungen bedeute dies eine gefährliche Kombination: steigende Personalkosten bei gleichzeitig gedeckelter Refinanzierung,“ warnt Andrea Kapp.

Parallel blieben die Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Pflegepersonal bestehen. Gerade angesichts des anhaltenden Fachkräftebedarfs sei es widersinnig, den Einrichtungen auf der einen Seite bessere Löhne abzuverlangen und ihnen auf der anderen Seite die vollständige Refinanzierung dieser Löhne zu verwehren.

Die aktuelle Erhebung in Baden-Württemberg müsse als dringender Weckruf verstanden werden. Wenn in einem Bundesland bereits heute mehr als ein Viertel der Geschäftsführungen mit einem negativen Betriebsergebnis rechne und gleichzeitig so wenige Einrichtungen wie nie zuvor eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarteten, könne die politische Antwort nicht in weiteren Kürzungen bestehen. Andrea Kapp dazu: „Die Pflegeeinrichtungen brauchen jetzt Klarheit statt weiterer Unsicherheiten und Belastungen. Wer die pflegerische Versorgung sichern will, muss auch die wirtschaftliche Grundlage der Einrichtungen dauerhaft sichern!“

Wer die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Pflegedienstes besser einschätzen und frühzeitig gegensteuern möchte, erhält in der Weiterbildung Kennzahlen 2026 und Controlling für ambulante Pflege- und Betreuungsdienste praxisnahe Impulse für mehr wirtschaftliche Transparenz und Planungssicherheit. Jetzt informieren und betriebswirtschaftliche Entscheidungen gezielt absichern.

Kontakt
Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V.
Andrea Kapp, RA‘in
Bundesgeschäftsführerin
Qualitätsbeauftragte (TÜV)
Zweigertstr. 50
45130 Essen
Tel: 0201/354001
a.kapp@bad-ev.de

Über den bad e.V.
Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. mit seinem Hauptsitz in Essen wurde 1988 gegründet. Er vertritt die Interessen von bundesweit mehr als 1.500 zumeist privat geführten Pflegediensten und -einrichtungen und stellt damit einen der großen Leistungserbringerverbände in der Wachstumsbranche Pflege und Betreuung dar.

Weitere Pressemeldungen, die Sie interessieren könnten

Pressemeldung 045-2026 – 14.10.2026

Pflegestrukturkommission: Pflegepolitik wieder ohne die Praxis? bad e.V. kritisiert fehlende Einbindung der Leistungserbringer

Mit der heute eingesetzten Pflegestrukturkommission will die Bundesregierung die Pflege strukturell und finanziell zukunftsfest machen – so wurde es den Kritikern nach dem Kabinettsbeschluss zum PNOG versprochen. Nach …

Pressemeldung 044-2026 – 30.09.2026

Neue Entlohnungswerte in der Pflege: Personalkosten müssen vollständig refinanziert werden

Der GKV-Spitzenverband hat die neuen Werte für das regional übliche Entlohnungsniveau in den Bundesländern veröffentlicht. Sie gelten ab dem 1. Januar 2027 für Pflegeeinrichtungen, die ihre Pflege- und Betreuungskräfte nicht nach …

Pressemeldung 043-2026 – 30.09.2026

bad e.V. zum Pflegeneuordnungsgesetz: Punktuelle Nachbesserungen reichen nicht – Grundprobleme bleiben ungelöst

Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) beschlossen. Gegenüber dem Referentenentwurf vom Juni hat die Bundesregierung zwar partiell auf Kritik reagiert und einzelne Einschnitte (späteres Einsetzen der …

Pressemeldung 042-2026 – 28.09.2026

Landesweiter Tag der Tagespflegen am 7. Oktober 2026 in Mecklenburg-Vorpommern

Gemeinschaft erleben, aktiv bleiben, Sicherheit erfahren und Angehörige entlasten: Tagespflegen sind ein wichtiger Bestandteil der pflegerischen Versorgung. Am 7. Oktober 2026 öffnen Tagespflegen in ganz Mecklenburg-Vorpommern ihre Türen und geben Einblicke …

Nach oben