Pflegeeinrichtungen schlagen Alarm – PNOG-Pläne verschärfen die wirtschaftliche Unsicherheit
Die wirtschaftliche Stimmung in den Pflegeeinrichtungen verschlechtert sich dramatisch. Wie die jüngsten Zahlen einer Erhebung der Baden-Württembergischen Krankenhaus-Gesellschaft (BWKG-Indikator) zeigen, rechnen 39,5 Prozent der Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg mit einer weiteren Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage. Nur 4,7 Prozent erwarten eine Verbesserung – so wenige wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010. Gleichzeitig erwarten 26,9 Prozent der Geschäftsführungen für das Jahr 2026 ein negatives Betriebsergebnis.
Für den Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e.V.) sind diese Zahlen ein unübersehbares Warnsignal. „Die Stimmung in der Pflege ist auf einem historischen Tiefpunkt. Und die Politik setzt genau jetzt mit den Einsparplänen des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) ein weiteres fatales Signal“, erklärt Andrea Kapp, Bundesgeschäftsführerin des bad e.V.
Pflegeeinrichtungen sind auf wirtschaftliche Sicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen zwingend angewiesen. Bereits heute ist die Branche schwer belastet durch unzureichende Refinanzierungen von Personal- und Betriebskosten sowie einem sich verschärfenden Fachkräftemangel. In dieser Gemengelage sorgen die geplanten Regelungen des PNOG für zusätzliche Unsicherheit.
Gehaltssteigerungen müssen voll refinanziert werden
Besonders kritisch sieht der bad e.V. die drohenden Einschränkungen der Refinanzierung von tatsächlichen Gehaltssteigerungen. „Erste Abstriche bei der vollständigen Refinanzierung von Gehaltssteigerungen sind für den Bereich der häuslichen Krankenpflege bereits mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen worden. Mit dem PNOG droht nun eine Ausweitung der Sparvorgaben auf den gesamten Pflegebereich. Für die Einrichtungen bedeute dies eine gefährliche Kombination: steigende Personalkosten bei gleichzeitig gedeckelter Refinanzierung,“ warnt Andrea Kapp.
Parallel blieben die Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Pflegepersonal bestehen. Gerade angesichts des anhaltenden Fachkräftebedarfs sei es widersinnig, den Einrichtungen auf der einen Seite bessere Löhne abzuverlangen und ihnen auf der anderen Seite die vollständige Refinanzierung dieser Löhne zu verwehren.
Die aktuelle Erhebung in Baden-Württemberg müsse als dringender Weckruf verstanden werden. Wenn in einem Bundesland bereits heute mehr als ein Viertel der Geschäftsführungen mit einem negativen Betriebsergebnis rechne und gleichzeitig so wenige Einrichtungen wie nie zuvor eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarteten, könne die politische Antwort nicht in weiteren Kürzungen bestehen. Andrea Kapp dazu: „Die Pflegeeinrichtungen brauchen jetzt Klarheit statt weiterer Unsicherheiten und Belastungen. Wer die pflegerische Versorgung sichern will, muss auch die wirtschaftliche Grundlage der Einrichtungen dauerhaft sichern!“
Kontakt
Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V.
Andrea Kapp, RA‘in
Bundesgeschäftsführerin
Qualitätsbeauftragte (TÜV)
Zweigertstr. 50
45130 Essen
Tel: 0201/354001
a.kapp@bad-ev.de
Über den bad e.V.
Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. mit seinem Hauptsitz in Essen wurde 1988 gegründet. Er vertritt die Interessen von bundesweit mehr als 1.500 zumeist privat geführten Pflegediensten und -einrichtungen und stellt damit einen der großen Leistungserbringerverbände in der Wachstumsbranche Pflege und Betreuung dar.
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