bad e.V. nimmt Stellung zum Sofortprogramm Pflege der Bundesregierung:
Stellenaktionismus hilft nicht weiter!
Essen, 24. Mai 2018. Die Pläne der Bundesregierung, ein Sofortprogramm mit 13.000 von den Krankenkassen bezahlten Stellen im Bereich der Altenpflege von 2019 an aufzulegen, stößt bei vielen Verbänden der Leistungserbringer auf ein geteiltes Echo. So weist der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. mit Sitz in Essen darauf hin, dass es nicht an offenen Stellen mangele: „Das Gegenteil ist der Fall“, sagt der bad-Bundesvorsitzende Andreas Kern, der selbst einen ambulanten Dienst, eine Tagespflege und ein Altenheim leitet: „Schon jetzt haben wir doch genügend freie Stellen, aber es sind keine Fachkräfte da, die diese Arbeitsplätze nachfragen. Deshalb hilft der Stellenaktionismus der Bundesregierung hier nicht weiter.“
Kern verweist darauf, dass es laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) im April 2018 bereits 15.300 offene Fachkraftstellen gab, denen nur 3000 arbeitssuchende Altenpflegekräfte gegenüberstanden. „Wenn jetzt weitere 13.000 Stellen geschaffen werden, ändert das erst einmal gar nichts. Es wird keine zusätzlichen Kräfte in der Pflege geben, die diese Stellen besetzen könnten.“ Vielmehr plädiert Kern dafür, dass die Rahmenbedingungen für die Arbeit am alten und kranken Menschen umgehend verbessert werden: „Es müssen deutlich höhere Löhne gezahlt werden, die von den Kassen ohne Wenn und Aber refinanziert werden“, mahnt Kern an, „denn die Unternehmen können nur das an ihre Angestellten weitergeben, was sie zuvor eingenommen haben!“ Finanzielle Einmalanreize – wie vom Pflegebevollmächtigten Andreas Westerfellhaus vorgeschlagen – seien zwar kein Allheilmittel, aber eine bedenkenswerte Möglichkeit, um Fachkräften die Entscheidung zur Rückkehr in den Beruf zu erleichtern. „Hier warten wir schon sehr gespannt auf die Voraussetzungen, die für die Inanspruchnahme des Angebots erfüllt werden müssen: Bekanntermaßen sitzt der Teufel im Detail!“
Kern zeigte sich angesichts des Sofort-Pakets der Bundesregierung verwundert darüber, dass Spahn derzeit nur den stationären Bereich der Pflege in den Blick nehme: „Ambulante Dienste, die den pflegebedürftigen Menschen – wie von der Politik gewollt – den Verbleib in der eigenen Häuslichkeit ermöglichen, werden in dem Sofortprogramm kaum bedacht. Das ist eine Schieflage, die nicht zu rechtfertigen ist und die im schlimmsten Fall zu einer ,Abwanderungsbewegung’ der Pflegekräfte vom ambulanten in den stationären Bereich führen könnte.“
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