Pressemeldung 10-2017

Große Koalition einigt sich auf Kompromiss zur Reform der Pflegeausbildung

 „Warnungen haben nicht gefruchtet: Die befürchteten Nachteile für die Altenpflege sind nicht abgewendet worden!“

Essen, 07. April 2017. Der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad) e.V. kritisiert die von der großen Koalition beschlossene Reform der Pflegeausbildung. „Die Pläne einer Generalistik bei der Pflegeausbildung haben bereits im Vorfeld vielfach begründete Befürchtungen geweckt, die konkret benannt worden sind. Wir hätten uns gewünscht, dass diese Hinweise ernster genommen worden wären. Der vorliegende „Kompromiss“ sieht leider keine Lösungen für die offenkundigen Probleme für die Altenpflege vor. Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode kann man sich hier des Eindrucks einer „Augen zu und durch“-Mentalität nicht erwehren“, meint Andreas Kern, 1. Vorsitzender des Bundesvorstands des bad e.V.

Kern betont dabei, dass der bad e.V. nicht grundsätzlich gegen jede Form der Generalistik ist, sondern nur gegen die konkrete Form der vorliegenden Ausgestaltung.

„Die Politik formuliert selbst den Anspruch, dass wir mehr Fachkräfte in der Altenpflege brauchen und dieses Ziel darf durch die Generalistik nicht torpediert werden. Die aktuellen Pläne lassen jedoch das Gegenteil befürchten: Hauptschulabsolventen werden von einer zunehmenden Theoretisierung der Ausbildung abgeschreckt, wodurch weniger Menschen diesen Beruf wählen. Und diejenigen, die den Pflegeberuf mit einer Neigung zur Altenpflege ergreifen, drohen in die zumeist besser bezahlte und in der Öffentlichkeit oft höher angesehene Krankenpflege abzuwandern“, mahnt Kern.

Die Prognose einiger Politiker, dass dies genau der Grund sei, warum die Gehälter in der Altenpflege erheblich steigen würden, bewertet Kern als zynisch: „Wenn die Sozialversicherung Krankenpflege deutlich besser bezahlt als Altenpflege, dann ist es nur natürlich, dass die Gehälter entsprechend unterschiedlich sind. Wenn aber die Einnahmen des Arbeitgebers in der Altenpflege niedriger ausfallen als in der Krankenpflege, dann kann er seinen Angestellten auch nur weniger Gehalt zahlen – selbst, wenn sie die gleiche Ausbildung absolviert haben. Und da es keinerlei Anzeichen gibt, dass die hier zwischen den Vergütungen für Alten- und Krankenpflege klaffende Lücke zukünftig geschlossen wird, ist anzunehmen, dass die Krankenpflege Fachkräfte zulasten der Altenpflege gewinnen wird, wodurch sich die Probleme bei Letzterer noch weiter verschärfen werden.“

Kern fürchtet ferner einen Qualitätsverlust in der Altenpflege, wenn die generalistische Ausbildung zunehmend einen allgemeinen oder gar einen anderen fachlichen Fokus hat: „Das Schlimme ist, dass nichts hiervon überraschend kommen wird und es trotzdem nicht verhindert wurde.“

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